Mittwoch, 23. Februar 2011

Polyclinic International St. Jospeh


Schon wieder was Geschriebenes von mir. Der Grund, ich lieg im Krankenhaus, mittlerweile warte ich nur drauf, dass alles verheilt ist, das Gröbste ist also überstanden.
Vor ca. einer Woche bin ich mit Schmerzen im linken Fuß ins Krankenhaus in Kpalimé gegangen um mich mal untersuchen zu lassen. Die Tage zuvor hatte ich mir Blasen an beiden Füßen gelaufen, die jedoch eigentlich wieder ganz gut verheilt waren.
Nun muss sich jedoch das Gewebe am linken Fuß entzündet haben. Deswegen also in Krankenhaus, die haben das Ganze aufgemacht, jedoch nicht gut. Deswegen bin ich jetzt Lomé. Am Samstag musste ich nochmals am linken Fußballen operiert werden, irgendwie hat sich das nach der OP in Kpalimé nochmal entzündet – nicht so schön alles.
Mittlerweile ist alles am verheilen und ich gammel ein bisschen im besten Privatkrankenhaus von Togo rum. Schon ziemlich merkwürdig, mein Zimmer ist klimatisiert, ich bekomm drei Mal am Tag europäisches Essen und habe mittlerweile w-LAN auf meinem Zimmer.
Irgendwann vergisst man dann fast, dass man in Togo ist. Das Personal spricht sehr gutes Französisch und ein Arzt sogar fließend Deutsch.
Na ja, dabei ist wichtig zu erwähnen, dass das alles nur den gut betuchten Togos und den versicherten Freiwilligen aus aller Welt offen steht.
Der Durchschnittstogoer kann sich so eine Behandlung nicht leisten.  

Samstag, 19. Februar 2011

Rückblick


Am 5. Februar 2011 war ich genau sechs Monate hier, Halbzeit also. Zeit für einen kurzen Rückblick:
Am 5. August 2010 bin ich von Hannover aus nach Paris geflogen und von dort zu einem mir bis dato nur aus Reportagen und Bildern bekannten Kontinent. In Togo angekommen erst mal einen Monat lang Arbeit in einer Sommerschule und Einführungsseminar. Alles war neu, spannend, unbekannt, vielleicht Einiges auch etwas seltsam. Im September dann Ankunft in meiner Gastfamilie und Beginn der eigentlich Arbeit im Envol Projekt. Zu Anfang einige Schwierigkeiten mit der Arbeit im Projekt für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Der Umgang mit den Kindern viel schwer und die Einrichtung sah sich mit starken finanziellen Problemen konfrontiert.
Die Monate darauf Arbeit, mein Geburtstag und schließlich die Ghanareise. Dazwischen immer wieder interessante Erfahrungen im togoischen Alltag, aber auch Zweifel an der Entscheidung ein ganzes Jahr in Togo zu verbringen.  Glücklicherweise überwiegen immer die positiven Erlebnisse.
Oft habe ich mir überlegt, wie wohl das Jahr verlaufen wäre wenn ich meinen Zivildienst in Deutschland abgeleistet hätte. Sicherlich hätte auch dieses Jahr voller Eindrücke und Erfahrungen gesteckt, jedoch sicherlich nicht in dem Maße, wie mein Jahr hier in Togo.
Zum Beispiel ist mir hier wirklich klar geworden, wie unglaublich komfortabel wir leben.
Klar, jeder der sich seines Lebens in der westlichen Gesellschaft einigermaßen bewusst ist, meint zu wissen, in was für einer Wohlstandsgesellschaft wir eigentlich leben.
Allein jedoch die Tatsache das sich jemand um die Müllentsorgung kümmert, ein halbwegs funktionierendes Gesundheitssystem auf die Beine stellt und dass es eine nahezu perfekte Infrastruktur gibt, die stetig in Stand gehalten wird, sind Dinge, die in Europa oft einfach hingenommen und nicht wirklich wertgeschätzt werden.
Mal über den Tellerrand zu blicken hat mir sehr gut getan und hilft, wie schon gesagt, selbstverständlich anmutenden Dingen etwas mehr Beachtung zu schenken.
Bevor ich nach Togo ging, wusste ich zwar um einiger der vielen Probleme, mit denen viele der afrikanischen Staaten zu kämpfen haben, jedoch konnte ich erst während meines Aufenthaltes in Togo einen wirklichen Bezug zu Einigen herstellen.
Vielleicht kann man das als eine Art „Tagesschau“ Syndrom bezeichnen. Abends in den Nachrichten sieht man all die Dinge, die auf der ganzen Welt geschehen, eine Minute später macht man sich über den Prime-Time Film Gedanken. Irgendwie hat mir da immer die Nachhaltigkeit gefehlt. Vielleicht wäre es besser, sich ernsthaft mit einem Thema zu beschäftigen, als in 15 Minuten alles kurz anzureißen und nur oberflächlich zu behandeln. Folglich wüsste man dann zwar nicht über alles Bescheid, jedoch hätte das Berichtete eine wesentlich längere Halbwertszeit bei den Zuschauern.

Nun vielleicht noch mal etwas zu meinem Projekt.
Da im Rahmen der finanziellen Mittel Abwechslung, wie etwa Exkursionen oder ähnliches, im täglichen Betrieb nicht möglich ist, kommt durchaus auch mal Langeweile auf. Vor allem für den Volontär im Projekt ist es nicht immer einfach eine Beschäftigung zu finden. Die Lehrer im Projekt arbeiten alle schon sehr lange hier und werden auch weiterhin so arbeiten, wenn ich wieder den Heimweg antrete. Kurz und gut, als Freiwilliger kann man allenfalls als Hilfe für die Lehrer zur Verfügung stehen. Da der Unterricht jedoch auch durchaus ohne die Mitarbeit der Freiwilligen möglich ist, hat man oft nicht allzu viel zu tun. Morgens den Hof fegen und mit den Kindern die Zähne putzen sind schon die größten Aufgaben, die man als Volontär zu erledigen hat.
Ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass das Envol Projekt sehr wichtig ist, jedoch muss man sich als Freiwilliger der in das Envol Projekt einsteigt, darüber im Klaren sein, dass man keine allzu wichtige Rolle einnimmt. Natürlich freuen sich die Kinder immer wieder über neue Gesichter und es geht mir immer das Herz auf, wenn ich sehe wie sehr sie sich freuen, wenn ich morgens zur Arbeit komme, jedoch sehe ich mich für das nächste halbe Jahr nicht mehr allzu großen Herausforderungen gegenüber.

Ansonsten sehe ich auch den verbleibenden fünfeinhalb Monaten voller Freude entgegen und werde natürlich weiterhin (un) regelmäßig Berichte liefern.