Montag, 27. September 2010

News


Ende September – mein letzter Blogeintrag liegt mittlerweile schon einige Tage zurück.
Also erst mal zu meiner Arbeit: Am Montag vergangene Woche wurde der Unterricht tatsächlich wieder aufgenommen, da man es irgendwie geschafft hat, Materialien für den Unterricht zu besorgen. Somit geht mittlerweile alles seinen gewohnten Gang. Morgens um halb acht geht’s los, dann wird der Hof gefegt und die Zähne werden geputzt. Anschließend wird um acht mit dem Unterricht begonnen. Bei Envol gibt es insgesamt drei Schulklassen und eine Gruppe, die meistens im Garten arbeitet – in dieser Gruppe sind diejenigen, die nicht ganz so schwere geistige Behinderungen haben und in der Lage sind, Arbeiten im Garten zu verrichten. Den Freiwilligen ist es frei gestellt, in welcher Gruppe sie arbeiten wollen, im Moment arbeite ich mit einer Gruppe von sechs Schülern zusammen mit einem Lehrer im Garten der Einrichtung, wo wir Mais, Salat, Tomaten und Piments (Peperoni) anbauen.
Die Finanzierung der Einrichtung steht immer noch auf der Kippe und keiner weiß, wie es bezüglich dessen weitergeht.
Mittlerweile hab ich mich ziemlich gut eingelebt und der Alltag hält Einzug in das Leben hier. Wahrscheinlich werden in Folge dessen die Blogeinträge jetzt auch erst mal nicht mehr ganz so regelmäßig erscheinen, da es einfach nicht mehr ganz so viel Neues zu berichten gibt. Falls doch, hört ihr natürlich davon ;-)
Eine Neuigkeit hab ich noch: Da am kommenden Montag Deutschland 20 Jahre wiedervereint ist, hat sich die deutsche Botschaft in Lomé dazu entschlossen alle in Togo lebende Deutschen einzuladen, um dieses Ereignis zu feiern.
Bis dahin 

Montag, 20. September 2010

Neue Fotos

Hallo nochmal,
nachdem ich jetzt zwei Stunden im Internetcafé verbracht habe, könnt ihr nun unter

http://picasaweb.google.de/105204615460635404530

neue Fotos anschauen. Viel Spaß dabei!!!

Mittwoch, 15. September 2010

Envol


Also mein Projekt: Am Dienstagmorgen bin ich das erste Mal zu meinem Projekt hier in Kpalimé gegangen. Im Prinzip mein erster offizieller Arbeitstag seit meinem Aufenthalt in Togo, der jetzt übrigens bereits 41 Tage beträgt.
Der Name des Projektes lautet „Envol“, was übersetzt so viel wie „Flügge werden, erwachsen werden, usw.“ heißt. In diesem Projekt sind im Moment ca. 20 Kinder mit weniger oder schwereren geistigen Behinderungen untergebracht, die dort zur Schule gehen und lernen sich möglichst eigenständig durch ihr Leben zu bewegen – daher der Name.
In Wirklichkeit sieht natürlich alles wieder ganz anders aus: Im Moment hat die Einrichtung massive finanzielle Probleme und dessen Zukunft ist mehr als ungewiss. Es geht bereits sogar so weit, dass wir diese Woche überhaupt kein Unterricht machen können, da der Chef der Einrichtung im Moment noch nicht weiß, wie er die Lehrer bezahlen soll und es zudem an Arbeitsmaterialien fehlt. Hier die Geschichte dazu:
Als das Projekt gegründet, gab es zwei große Träger: Zum einen die CARITAS und zum anderen den togoischen Staat.
Jedoch zahlt der togoische Staat schon seit etwas Längerem seine Beiträge mehr. Somit ist die CARITAS mit der Finanzierung allein gelassen. Da dass der CARITAS nicht sonderlich gefällt, kürzt man nun die finanzielle Unterstützung des Envol Projektes. Diese Kürzung kommt mal wieder bei den völlig Falschen an, da die Kinder im Projekt wirklich auf die dortige Unterstützung angewiesen sind. Ansonsten würden sie den ganzen Tag zu Hause bleiben und nicht gefördert/gefordert oder unterstützt werden.

Montag, 13. September 2010

Gastfamilie

Gestern bin ich endlich in meiner Gastfamilie angekommen! Nach zwei Wochen im C.A.R.E.D. wurden alle Freiwilligen zu ihren jeweiligen Einsatzorten gebracht, also nach Lomé, Atakpamé und Kpalimé. In meinem Fall hat die Fahrt nur wenige Minuten ins Zentrum von Kpalimé gedauert, dann stand ich vor dem Tor meines Gasthauses.

Die Wohnung von Raimond und Maria (meine Gasteltern) liegt im ersten Stock eines einstöckigen Hauses^^ und ist ziemlich groß. Über eine Veranda betritt man die Wohnung und steht im sogleich im Wohnzimmer, in dem die Skulpturen, welche Raimond baut, lagern. Nach hinten raus mündet eine zweite Veranda in einen Garten mit zwei Bäumen, die sich ideal für lange Nachmittage in der Hängematte eignen. Vom Wohnzimmer aus betritt man den Flur, von dem man die zwei Zimmer für die Freiwilligen, das Bad sowie das Zimmer meiner Familie erreichen kann.
Meine Familie besteht aus meinen beiden Eltern – sie ist Schneiderin, er schnitzt Skulpturen und arbeitet bei CDH – und meinen vier Gastschwestern, deren Namen ich immer wieder vergesse :-D
Alle in der Familie sind super nett und total hilfsbereit – wenn ich mal was machen will, z.B. abwaschen, muss ich erst mal allen versichern, dass das wirklich überhaupt kein Problem ist, und dass ich die Arbeit gerne verrichte:-D
So das erst mal zu meiner Familie, in ca. zwei Monaten werde ich wieder spätestens Fotos hochladen können, dann bin ich nämlich wieder in Lomé und dort gibt es ausreichend schnelles Internet ;-)

Mittwoch, 8. September 2010

Mont Agou

Am Sonntag haben wir mal wieder Bekanntschaft mit der togoischen Bürokratie, bzw. Korruption gemacht. An dem Tag wollten wir nämlich den, einige Kilometer von unserem Haus entfernten, 980m hohen Mont Agou besteigen.

Angefangen hat alles mit dem Taxi, das uns zum Berg bringen sollte. Der Faher hat mit einem Gesamtpreis von 25.000 CFA angefangen – was so ziemlich der übertriebenste Preis in ganz Togo war. Im Laufe der nächsten Stunde, die von Verhandlungen, Beschuldigungen und Vorwürfen gefüllt war, ist er dann auf 16.000 CFA runtergegangen. Immer noch viel zu viel, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat.
Während der Fahrt hat es dann richtig dolle angefangen zu regnen – aber egal, die Vorfreude auf den Berg war (noch oder trotzdem) immer noch größer als der Ärger über das teure Taxi. Als wir dann am Fuß des Berges angekommen sind, hat dort bereits die nächste Überraschung auf uns gewartet. Ein zugebenermaßen wirklich netter, von der Präfecture Agou beauftragter Beamter hat uns dort eröffnet, dass man für die Besteigung des Berges eine Art Visum bräuchte – das für uns weiter 5000 CFA kosten sollte. Somit hat uns der Ausflug bis dato 21.000 CFA gekostet. Mittlerweile wurde der Regen stetig stärker. Als wir den Taxifahrer gefragt haben, ob er denn von der Steuer, bzw. dem „VISA“ gewusst habe, bestätigte er dies, jedoch habe er vergessen uns das zu sagen – na klar.
Als wir dann vor dem Berg aussteigen wollten, hat uns der Fahrer eröffnet, er würde uns den Berg hochfahren, da er nicht wollte, dass wir ihm nach der Wanderung sein Auto verdrecken. Glücklicherweise wurde er dann ca. 3km vor der Spitze von Mutter Natur in Gestalt eines auf die Straße gefallenen Baumes dazu gezwungen.
Nun konnten wir endlich anfangen zu wandern. Das haben wir auch voller Freude bis zur Bergspitze getan, da die Natur und die Aussicht uns für die bisherigen Strapazen entschädigt haben – bis wir vor einer Schranke kurz vor der Bergspitze standen. Dort haben uns zwei Männer aufgehalten, die meinten, sie würden zur togoischen Armee gehören und hätten die Aufgabe, uns auf der Spitze herumzuführen und uns zu schützen – wovor auch immer. Auf jeden Fall hat diese Leistung weitere 1000CFA gekostet. Dafür wurden wir mit einem grandiosen Blick über die das togoische Plateau belohnt, der unseren Ärger ein wenig gemildert hat.
Alles in allem war es ein ereignisreicher Tag, aus dem wir viel gelernt haben, der aber auf jeden Fall sehr viel angenehmer hätte verlaufen können.

Donnerstag, 2. September 2010

Denkanstoss II

Heute Vormittag hatten wir im Seminar eine Stunde über die Unterschiede der Kulturen von Afrika und Europa. Dabei hat unser Lehrer die Theorie aufgestellt, in der Entwicklung jeder Gesellschaft gebe es drei Stufen. Die erste Stufe wäre die des Homo Faber, also des produzierenden Menschen, die Primär Stufe. Die zweite Stufe wäre die der entschiedenen Entdeckungen, die einen enormen Anstieg der Produktivität einer Gesellschaft zur Folge hat. Das wäre dann die Sekundärstufe. Schließlich folgt die Tertiäre Stufe, die einen sprungartigen Anstieg der Kommunikation zur Folge hat. Diese Sprünge erfolgen zyklisch, das heißt, durch entscheidende Entdeckungen, bzw. Erfindungen, erfolgt eine sprungartige Entwicklung nach vorn, die dann bis zur nächsten großen „Entdeckung“ stagniert, bzw. auf den nächsten Sprung zusteuert.
In Europa wird der Sprung auf die Sekundärstufe durch die industrielle Revolution markiert. Durch die Erfindung der Dampfmaschine kam es zum Anstieg der Produktion, usw. Die Folgen sollten jedem bekannt sein.
Dieser Sprung auf die Sekundärstufe war jedoch auch gewissermaßen Auslöser für die Kolonisation im großen Stil, da zum einen der Bedarf nach Rohstoffen und vor nach allem Absatzmärkten rapide anstieg. Zudem waren die europäischen Mächte nunmehr schlicht und einfach in der Lage, fremde Gebiete zu annektieren, da man nun über das notwendige militärische Potential verfügte.
Dieser Sprung europäischer Mächte auf die Sekundärstufe hatte somit die Unterbrechung der natürlichen Entwicklung der afrikanischen Gesellschaften zur Folge, könnte man meinen.
Jedoch stellt sich die Frage, ob sich die afrikanischen Gesellschaften überhaupt weiterentwickelt hätten, selbst wenn es keine Kolonialisierung seitens europäischer Mächte gegeben hätte. Bzw. eine Entwicklung unter europäischen Maßstäben. Wobei man europäische und afrikanische Entwicklung wahrscheinlich gar nicht miteinander vergleichen kann. Wahrscheinlich liegt darin überhaupt erst der große Fehler - dass die Entwicklung afrikanischer Gesellschaften mit der Europäischer verglichen wird, bzw. dass vorausgesetzt wird, es gebe überall eine Entwicklung nach demselben Schema.
Somit wäre es hochinteressant zu sehen, wie sich afrikanische Gesellschaften ohne europäischen Einfluss entwickelt und ob sie das nach einem, mit dem Europas vergleichbaren Schema, getan hätten.

Mittwoch, 1. September 2010

Kpalimé

Erster September – jetzt bin ich schon seit nahezu einem Monat in Togo. Rückblickend ist der erste Monat rasend schnell vergangen, mit all den neuen Eindrücken, Menschen und Lebensweisen. Natürlich gab es in dem Monat auch einige Momente, die sehr anstrengend waren und bei denen ich dann im Nachhinein an meiner Entscheidung gezweifelt habe, jedoch überwiegen die angenehmen Situationen deutlich.
Am Sonntag sind wir nach drei Wochen Camp wieder in C.A.R.E.D. Waisenhaus in Kpalimé angekommen, wo wir nun endlich wieder ein eigenes Bett und genug Platz haben.
Am Montag war ich zum ersten Mal in einem Krankenhaus in Togo, um mich auf Amöbenbefall und Malaria untersuchen zu lassen, da ich die letzten Tage immer wieder von Bauchschmerzen geplagt wurde und es für sinnvoll hielt, mich nach einem Monat mal durchchecken zu lassen.
Tatsächlich bin ich von Amöben befallen und schlucke jetzt drei Mal am Tag Antibiotika, made in Pakistan und Marroko, habe jedoch keine Malaria.
In den nächsten zwei Wochen werden wir hier in Ewe, Geschichte und Geographie unterrichtet und kommen dann in absehbarer Zeit in unsere Familien.