Heute Vormittag hatten wir im Seminar eine Stunde über die Unterschiede der Kulturen von Afrika und Europa. Dabei hat unser Lehrer die Theorie aufgestellt, in der Entwicklung jeder Gesellschaft gebe es drei Stufen. Die erste Stufe wäre die des Homo Faber, also des produzierenden Menschen, die Primär Stufe. Die zweite Stufe wäre die der entschiedenen Entdeckungen, die einen enormen Anstieg der Produktivität einer Gesellschaft zur Folge hat. Das wäre dann die Sekundärstufe. Schließlich folgt die Tertiäre Stufe, die einen sprungartigen Anstieg der Kommunikation zur Folge hat. Diese Sprünge erfolgen zyklisch, das heißt, durch entscheidende Entdeckungen, bzw. Erfindungen, erfolgt eine sprungartige Entwicklung nach vorn, die dann bis zur nächsten großen „Entdeckung“ stagniert, bzw. auf den nächsten Sprung zusteuert.
In Europa wird der Sprung auf die Sekundärstufe durch die industrielle Revolution markiert. Durch die Erfindung der Dampfmaschine kam es zum Anstieg der Produktion, usw. Die Folgen sollten jedem bekannt sein.
Dieser Sprung auf die Sekundärstufe war jedoch auch gewissermaßen Auslöser für die Kolonisation im großen Stil, da zum einen der Bedarf nach Rohstoffen und vor nach allem Absatzmärkten rapide anstieg. Zudem waren die europäischen Mächte nunmehr schlicht und einfach in der Lage, fremde Gebiete zu annektieren, da man nun über das notwendige militärische Potential verfügte.
Dieser Sprung europäischer Mächte auf die Sekundärstufe hatte somit die Unterbrechung der natürlichen Entwicklung der afrikanischen Gesellschaften zur Folge, könnte man meinen.
Jedoch stellt sich die Frage, ob sich die afrikanischen Gesellschaften überhaupt weiterentwickelt hätten, selbst wenn es keine Kolonialisierung seitens europäischer Mächte gegeben hätte. Bzw. eine Entwicklung unter europäischen Maßstäben. Wobei man europäische und afrikanische Entwicklung wahrscheinlich gar nicht miteinander vergleichen kann. Wahrscheinlich liegt darin überhaupt erst der große Fehler - dass die Entwicklung afrikanischer Gesellschaften mit der Europäischer verglichen wird, bzw. dass vorausgesetzt wird, es gebe überall eine Entwicklung nach demselben Schema.
Somit wäre es hochinteressant zu sehen, wie sich afrikanische Gesellschaften ohne europäischen Einfluss entwickelt und ob sie das nach einem, mit dem Europas vergleichbaren Schema, getan hätten.
schöner vortrag, du zeigst richtiges lehrerpotential ;)
AntwortenLöscheneine interessante überlegung, ich denke auch, dass afrikas größtes durch die kolonialisierung entstandenes problem nicht ist, dass sie sich nach europäischen maßstäben nicht weiterentwickeln konnten sondern, dass ihre entwicklungs prozesse überhaupt nach europäischen maßstäben bewertet werden!
die europäischen gesellschaftlichen und vorallem wirtschaftlichen strukturen mögen vielleicht in bezug auf deren globale stellung ein vorteil sein, aber eigentlich ist doch langfristig gesehen unser größter fehler gewesen, dass wir versucht haben völker (zwangsweise) an ein wirtschaftssystem anzupassen, welches für sie damals wie heute keinerlei vorteile für bringt und sie die direkt in eine position gebracht hat, von der aus sie uns nie einholen können!
(entschuldige die langen sätze, grade zu müde um strukturiert zu schreiben ;)
klingt alles ziemlich interessant, was du so erfährst und erlebst!
gruß
jack
Hey Mario!
AntwortenLöschenIch habe das Gefühl langsam kommst du immer mehr in Togo an. Durch dein Programm scheinst du dieMöglichkeit zu haben schnell tiefe Einblicke in togoische Sichtweisen und Abläufe zu bekommen.
Möchte nur ein wenig hinzufügen:
In mehreren afrikanischen Ländern gab und gibt es Stämme die von der Kolonialisierung verhältnismäßig wenig gespürt haben. Entweder lebten sie in Gebieten, die nie von Europäern betreten worden oder waren den Kolonialherren durch häufiges Umziehen (Nomaden) immer einen Schritt voraus. Diese Völker werden heute als verschlossen und zurückgeblieben beschrieben (auch und gerade von denjenigen Stämmen die sich zwangsläufig einer europäischen Art des Lebens unterwerfen mussten). Sie leben noch immer in der Natur nutzen weder Strom noch Benzin, tragen kaum oder (für uns) sonderbare Kleidung und haben einfache mechanische Geräte mit denen Sie alles bewerkstelligen.
Sicherlich sind diese Menschen kein absolutes Beispiel, um zu zeigen, wo ganz Afrika heute stände, hätte niemals ein Man on the Spot seinen Fuß auf den Kontinent gesetzt aber ein Indikator doch schon.
Wichtig ist doch, dass diese Stämme sich in ihrer Art wohl fühlen und umgekehrt jene Menschen, die europäisiert leben so viel wie möglich erreichen können. Schließlich lassen sich historische Fakten nicht mehr ändern...
Liebe Grüße und lass dich das nächste Mal nicht so ausnehmen (bzw. wie ist eigentlich der Umrechnungskurs)?
jojo